Meine Freundin

Meine Freundin, ein wunderbarer Mensch. Ihr wurde folgendes diagnostiziert: „Borderline"!!!

Sie hatte bzw. hat bis heute und sicherlich auch in Zukunft ein großes Problem sich damit abzufinden. Ihren Körper und sich selbst mit ihrer wirren aber hellen Seele zu lieben, fällt ihr sehr schwer. Der tägliche Alltag ist ein Kampf. Jeden Morgen muss sie ihren von eigenartigen Gedanken besessenen Körper, ihr eigen Fleisch und
Blut erneut vom Boden kratzen und sich in die Ungewissheit des neuen Tages stürzen.

Erstere Zeilen mögen für den ein oder anderen vielleicht als stark übertrieben und nicht real klingen. Ganz im Gegenteil, dieser Mensch mit dieser Störung, (ein blödes Wort, ich weiß ich benutze es auch ungern in diesem Zusammenhang) ist ein toller, interessanter Mensch. Manchmal ist sie sehr geheimnisvoll und ein anderes Mal ist sie wie ein offenes Buch. Sie ist sehr tiefgründig und ihre Gedanken drehen sich um viel zu viele Dinge, Dinge, wo rüber ich mir persönlich keine Sekunde den Kopf zerbrechen würde. Man muss öfters um tausend Ecken denken, um ihre Denkweisen annähernd nachzuvollziehen. Richtig verstehen werde ich sie natürlich nie.

Oft schon hat sie versucht, mich soweit zu provozieren, derart zu beleidigen und mich zu enttäuschen, um das zu hören was sie will! Sie versucht eine Trennung meinerseits heran zu schwören um ihre Gefühle/Gedanken, dass ich es mit ihr sowieso nicht aushalte und ich sie irgendwann auf jeden Fall verlassen werde, zu bestätigen!

Kurz darauf ist sie wie ein kleines Kind, Tränen kullern plötzlich an ihrem, zuvor noch zornigen Gesicht runter. Sie entschuldigt sich tausende Male, und ist außer sich vor Panik und Angst mich zu verlieren. Ein ganz großer Widerspruch eigentlich, das völlig gegensätzliche Dinge auf einmal so nah beieinander liegen.

Aufregung, fast bis hin zum krassen Wutausbruch bei der kleinsten Nichtigkeit, sind fast täglich. Ihre starken Stimmungsschwankungen sind für mich oft unerklärlich.

Manchmal ist sie gar nicht mehr zu stoppen, dann wirkt es auf mich als würde sie in eine Art Delirium rutschen. Sie fängt an monoton zu reden, immer in der gleichen Tonlage und ganz viele Fragen die sie sich stellt. Solche Situationen sind total interessant für mich, es spürt sich an als wenn plötzlich eine andere Person neben mir liegen würde.

Sie hat Angst, Angst vor die Tür zu gehen. Was für andere Freiheit bedeutet, bedeutet für sie: Panik, sein eigenes Ich verstellen( als Schutzmechanismus um bloß nicht aufzufallen), bloß keine Gefühle zeigen wie Trauer, Angst, Unsicherheit, etc, Platzangst (sogar in rieseigen Räumlichkeiten wie im Supermarkt o. ä. Hilflosigkeit( man könnte auf anderer Leute Hilfe angewiesen sein, ihre Anspannung ist dauerhaft hoch, Schweißausbrüche, Geld ausgeben ohne Grund!

Vor einiger Zeit hat sie zu mir gesagt: „Ich freue mich schon auf den Winter, da kann man sich endlich zu Hause einkuscheln und muss nicht raus."

Ich bin jetzt schon über zweieinhalb Jahre mit ihr zusammen und ich bereue keinen einzigen Tag. Das Leben mit ihr ist zwar sehr schwierig aber es ist auch abwechslungsreich, sehr interessant und wunderschön! Trotz ihrer oft depressiven Phase, schafft sie es jeden Tag mich zum Lachen zu bringen. Ihre diagnostizierte Störung, ist für mich gar keine Störung! Sie ist einfach so wie sie ist, anders als andere, aber jeder Mensch ist anders als der andere. Für mich ist das kein Problem, es ist wie es ist und wir machen das Beste aus unserem gemeinsamen Zusammenleben. Wir versuchen regelmäßige Strukturen aufzubauen um den Alltag besser meistern zu können. Strukturen sind für sie sehr wichtig, sonst gerät sie etwas außer Kontrolle.