Start Theorie und Hintergründe der Borderline Borderline. Was ist das eigentlich?
Borderline- Was ist das eigentlich?

Die Diagnose „Borderline“ mag komplex sein, vielleicht auch beängstigend wirken, wirft mit Sicherheit Fragen auf und stellt vor allem die Chance einer persönlichen Veränderung dar.
Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff?
Und was ist der Hintergrund von allgemein gängigen Bildern wie selbstverletzendem Verhalten, Schwarz-Weiß- Denken oder enormer Impulsivität?

Borderline bezeichnet eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, d.h. ein Leben zwischen Extremen. Der Begriff ist angelehnt an das englische Wort für „Grenzlinie“ und geht auf ein psychisches Erleben zwischen neurotischen sowie psychotischen Symptomen zurück

In vielen Fällen ist zudem zu beobachten, dass Menschen mit einer Borderline-Erkrankung häufig auch eine Depression, Angststörungen oder Essstörungen aufweisen.

Als Grundlage für die Diagnose psychischer Erkrankungen dienen zwei unterschiedliche offizielle Klassifikationssysteme, das DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) und das ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen).

Nach dem DSM-IV liegt eine Borderline-Persönlichkeitsstörung vor, wenn mindestens fünf der folgenden neun Kriterien zutreffen:

  1. Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden
  2. Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und der Entwertung gekennzeichnet ist.
  3. Identitätsstörung: Ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung
  4. Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtloses Fahren, „Fressanfälle“ etc.)
  5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten
  6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung, etwa hochgradige episodischen Dysphorie (Freudlosigkeit, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und eher selten mehr als einige Tage andauern)
  7. Chronische Gefühle von Leere
  8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z.B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen)
  9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome

Die diagnostischen Kriterien nach dem ICD-10 lauten:

Es müssen mindestens drei der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen vorliegen:

  1. Deutliche Tendenz unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln.
  2. Deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden.
  3. Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens.
  4. Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden.
  5. Unbeständige und unberechenbare Stimmung.

Zusätzlich müssen mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen vorhanden sein:

  1. Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und „inneren Vorlieben“ (einschließlich sexueller).
  2. Neigung, sich auf intensive aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen.
  3. Übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden.
  4. Wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstverletzung.
  5. Anhaltende Gefühle von Leere.

Die Auseinandersetzung mit all diesen Kriterien verdeutlicht zum einen worin die Schwerpunkte eines Lebens mit Borderline liegen und zum anderen, dass eine Borderline-Erkrankung viele unterschiedliche Facetten und Erscheinungsformen hat.
"Allgemein lässt sich jedoch festhalten, dass die zentralen Schwierigkeiten bei einer Borderline-Störung in der Beeinträchtigung der inneren Ausgeglichenheit und in Störungen von sozialen Beziehungen liegen."

Hat man als Borderliner diese Aspekte jedoch erst einmal erkannt und ist sich seiner persönlichen Konfliktpunkte bewusst, ist ein erster entscheidender Schritt getan, um mit eigener Kraft und therapeutischer Hilfe trotz mit und auch wegen seiner Erkrankung endlich anfangen können zu leben.

Literaturangaben: Knuf, Andreas/Tilly, Christiane: Borderline: Das Selbsthilfebuch; Rahn, Ewald: Borderline verstehen und bewältigen