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Der Fels in der Brandung

Wie kann man einen Menschen anders nennen, der immer da ist, wenn man ihn braucht?
Der einem mit Stärke, Verlässlichkeit und Stabilität den Halt gibt den man als Borderliner so dringend braucht.

Oft frage ich mich ob ich es überhaupt verdient habe, dass jemand so zu mir hält und die einzige Konstante, neben meinem Therapeuten, in meinem Leben ist.

Wie viele schlimme Situationen hat er mit mir erlebt, angefangen von nicht mehr aus dem Bett kommen, über einkaufen für meinen Haushalt bis hin zum Wäsche waschen. Alles war dabei, weil ich während der Therapie in der Tagesklinik Schwerte manchmal dazu nicht mehr in der Lage war.

Auch für meinen Sohn war er immer Ansprechpartner, und hat immer versucht, meine Situation mitzutragen, damit es meinem Sohn leichter viel, nicht die Verantwortung für mich übernehmen zu wollen.

Eigentlich hätte er jedes erdenkliche Recht sich von mir abzuwenden, weil ich ihn wegen einem anderen Mann verließ.

Nichts desto trotz hat er verstanden, warum es so war und was mich so handeln ließ.
Manchmal wenn ich einen schlechten Tag habe dient er als Prellbock, aber sogar das hält er aus. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er sich in meine Welt denken kann. Er ist zwar ein total bodenständiger Mensch, der in keinster Weise gefährdet ist, mit in den Sumpf gezogen zu werden, aber er versteht mich manchmal ohne Worte.

Wenn ich Distanz brauche gibt er sie mir um dann aber im gleichen Moment mir auch das Gefühl zu geben, wenn du Nähe brauchst bin ich auch da.
Es klingt vielleicht so, als könne ich ihn aus der Kiste holen wann es mir passt, aber so ist gar nicht.
Er ist eben einfach immer im richtigen Augeblick da, hat mir aber trotzdem  seine Grenzen aufgezeigt und leitet mich, auch hin zu Skills, wenn ich dazu nicht mehr fähig bin. Selbst wenn ich während der Arbeit unter starker Anspannung stehe, gibt er mir per Email ganz klare und deutliche Ansagen was ich in dem Moment machen könnte, damit es besser wird. Wenn ich zu Hause unter „Strom“ stehe, treibt er mich zur Not, auch übers Telefon auf mein Ergometer oder gibt mir ganz klare Ansagen. Komischer Weise befolge ich diese dann auch wie ein Roboter.

Mit ihm habe ich seit längerer Zeit, bis auf eine Ausnahme, keine Selbstverletzung mehr an mir verübt.

Es fällt mir sehr schwer zu sagen, ob das auch so wäre wenn er nicht da wäre, weil ich ja schlussendlich dafür alleine verantwortlich bin, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass er mir schon sehr oft dabei geholfen hat die Kontrolle nicht zu verlieren.

Auch wenn wir in der Vergangenheit Probleme hatten und ich aus heutiger Sicht weiß, dass ich mich während unserer langjährigen Beziehung nie wirklich und zu hundert Prozent auf ihn einlassen konnte, so weiß ich heute also im „hier und jetzt“, dass er der Mensch ist, der es eigentlich am meisten verdient hätte.
 
Er nennt mich liebevoll seine „Herausforderung“ und so als solche nimmt er mich auch an, so wie ich eben bin mit allen Ecken und Kanten!

Kann man gegenüber einem solchen Menschen überhaupt irgendwie zum Ausdruck bringen wie dankbar man dafür ist?
Ganz ehrlich glaube ich nicht, dass man das in Worte fassen kann.
Ich bemühe mich oft ihn spüren zu lassen, wie sehr er mich bestärkt auf meinem Weg zum „glücklicheren Leben“, aber Worte dafür gibt es nicht.

Ich denke das er jeden Tag spürt wie wichtig er für mich ist, aber das ich noch nicht in der Lage bin, mich dieses Mal zu hundert Prozent auf ihn als Mann einzulassen, weil nur er verstanden hat, welche „Altlasten“ bei mir noch beiseite geschafft werden müssen, um endlich den richtigen Weg im Leben zu finden. Es wird sicher noch einige Zeit brauchen bis ich soweit bin und ich weiß er wird darauf warten.