Start Erfahrungsberichte Betroffene Beziehung auf der Borderline
Wo soll ich anfangen?

Ich denke an dem Punkt wo es einem so richtig bewusst wird das mit einem etwas nicht stimmt.

Wo man sich vielleicht fragt: Bin ich glücklich?

Auf diese Frage habe ich lange keine definitive Antwort gefunden und es fiel mir auch schwer zu sagen, was Glück eigentlich ist. Im April 2006 trat eine Person in mein Leben die mich von seiner Persönlichkeit derart faszinierte, dass es mir fast den Atem raubte. Die Intensität mit der diese Bindung großen Einfluss auf mich und mein Leben nahm hatte ich bis zu diesem Moment niemals vorher erlebt.

Alles um mich herum verlor an Wichtigkeit und es zählten für mich nur die Momente in denen wir zusammen waren, tiefe Gespräche führten und irgendwie in unserer eigenen Welt waren. Aus heutiger Sicht würde ich sogar so weit gehen zu sagen, ich habe sogar manchmal dafür mein Kind öfter bei Oma oder seinem Papa untergebracht als man das normaler Weise von mir gewohnt war.

Für mich waren die Stunden in denen wir zusammen waren wie das Ende einer langen unbewussten Reise.

Ich fühlte mich total verstanden, wohl und unglaublich „wichtig" umgekehrt war das genau so. Es war eine Bindung die ihres gleichen suchte und die man eigentlich nicht mit Worten umschreiben kann, weil es so besonders war. Irgendwann änderte sich das aber alles, weil sich durch einen neu eingeschlagenen Weg der Person, die Zeit in der wir uns sehen konnten drastisch verkürzte. Für mich war das sehr schlimm, denn ich fühlte mich von da an immer irgendwie verlassen und alleine. Trotzdem hielt ich an der Bindung fest und versuchte alles um eine Grundlage zu schaffen so viel Zeit wie möglich aufzubringen. Ich verließ meinen Freund mit dem ich damals zusammen lebte und den ich schon viele Jahre kannte und zog „näher dran". Aber auch das ließ mich innerlich nicht zur Ruhe kommen und so begann sich das Rad zu drehen.........

..... nach dem die Zeit in der wir gemeinsam etwas machen konnten immer weniger wurde, ich mich immer unwichtiger fühlte und mich einige Verhaltensweisen von der Person auch noch darin bestärkten, völlig unwichtig zu sein, begann ich eine „Strategie" zu entwickeln um die Person öfter in meiner Nähe haben zu können. Ich fühlte mich immer wieder sehr einsam, obwohl ich es ja eigentlich gar nicht war. Mein Kind lebte bei mir und ich hatte natürlich eine Verantwortung ihm gegenüber. Außerdem hatte ich einen Job der sehr stressig war und wo ich stark gefordert wurde. Immer öfter fing ich an mir selber weh zu tun und mich den „Essattacken" zu ergeben, bei denen ich locker 6 bis 7 Tafeln Nugatschokolade innerhalb von einer halben Stunde in mich rein schob ohne es überhaupt zu bemerken.

Mein Verhalten wurde immer „paradoxer" und die Verletzungen an meinem Körper wurden immer regelmäßiger und schlimmer...........................................

Je mehr ich versuchte an der Person zu zerren, desto weiter entfernte sie sich von mir. Ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht mehr sehen, dass es von der Person reiner Selbstschutz war um nicht völlig mit in den Sumpf gezogen zu werden. Ganz im Gegenteil erst viel später bemerkte ich auch an der Person „paradoxe" Verhaltensweisen. Immer wieder fanden wir uns in einer Nähe und Distanz Bindung wieder. Heute weiß ich sicher, dass die Person niemals beabsichtigt hat mir weh zu tun, oder sich bewusst war, was er mit seinem Verhalten bei mir ausgelöst hat. Ganz im Gegenteil, wir haben Beide dem anderen sehr viel emotionalen Schaden zugefügt ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein.

Mit dem Wissen von heute, war es dann auch genau der richtige Weg den wir beide eingeschlagen haben und heute keinen Kontakt mehr haben.

Manchmal ist das auch heute noch sehr schmerzlich und ab und zu kommen Erinnerungen zurück an die Zeit in der wir wie verschmolzen waren dann sende ich ihm auch heute noch eine SMS oder Mail und frage wie es ihm geht, aber Gott sei dank hält er sich daran um was ich ihn gebeten habe darauf nicht mehr zu reagieren weil ich jeder Antwort von ihm sofort innerlich durch ein Bewertungsschema laufen lassen würde und mich immer wieder von vorne anfangen lässt..............

Sicherlich sind diese Zeilen nur ein winzig kleiner Eindruck aus der Zeit die sehr lang war, aber da ich die Erfahrungsberichte bewusst nicht zu negativ gestalten möchte, bleibt für mich jetzt noch das positive an dieser Bindung ganz klar in den Vordergrund zu stellen! Bis zu dieser Bindung habe ich nicht gewusst, was es heißt mich zu spüren und zu wissen wie es ist an seine persönlichen Grenzen zu gelangen. Es hat mir klar gezeigt, dass ich nicht nur als Mensch existent bin sondern auch als Frau. Es hat mir die Möglichkeit aufgezeigt mich zu hinterfragen und klar aufzuarbeiten, welche Erfahrungen mich bis dahin am Leben gehindert haben. Zwar besteht kein Kontakt mehr zwischen uns, aber mittlerweile ein großer Respekt vor den Gefühlen des anderen. Den Weg den ich mit der Therapie eingeschlagen habe, habe ich aus freien Stücken gewählt weil ich nie wieder in die Situation kommen möchte „Strategien" zu entwickeln um jemanden an mich zu binden um ihn dann im Endeffekt ganz zu verlieren. Vielmehr möchte ich erreichen, mich selber zu akzeptieren, meine positiven Eigenschaften zu stärken und irgendwann wirklich am Ziel anzukommen.

Nur durch die Erfahrungen innerhalb dieser Bindung wurde mein Blick für das wesentliche im Leben geschärft. Es hat sehr lange gedauert endlich zu verstehen, dass mein Leben nicht davon abhängt, wie sich andere mir gegenüber verhalten, sondern was ich daraus mache. Diese Bindung hat mir ganz klar gezeigt, dass ich mich mit mir selber auseinander setzen muss und ich ziehe heute sehr viel positives daraus obwohl es sehr schmerzlich war, auf den Menschen zu verzichten dem man näher stand als irgendjemand sonst in seinem Leben!

Manchmal kann das Positive aus dem Negativen entstehen und die Sichtweise ändern, auch wenn ich die Zeit der so intensiven Momente heute manchmal noch sehr vermisse.

Es ist gut so wie es ist, es hat mir den Weg zu mir selber geebnet und bringt mich vielleicht dem Traum vom „glücklich" sein näher!

Danke!