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Warum bin ich so anders?

Diese Frage stelle ich mir schon seit ich mich zurückerinnern kann.

Als eines von drei Kindern, hineingeboren in eine einfache Arbeiterfamilie, wuchs ich eigentlich sehr behütet auf. Vielleicht auch ein bisschen zu behütet. Ich war das letzt geborene Kind, jenes welches, mit dem Eltern nicht mehr rechnen. Nun gut, jetzt war ich da, und wie ich aus Erzählungen meiner Mutter weiß, konnte nur schwerlich jemand an meinem Kinderwagen vorbei gehen, weil ich als Kind wohl eine „Augenweide“ gewesen sein muss.

Im Gegensatz zu meinen Geschwistern war ich nie wirklich auffällig gewesen und man musste mich einfach lieben.

Allerdings sahen das meine Geschwister wohl etwas anders, denn schon in meiner frühsten Kindheit fingen beide an mich als eine Art „Tumor“ anzusehen. So ein lästiges Übel dem es galt das Garauszumachen, damit auch sie gesehen werden.

Natürlich kann ich das meinen Geschwistern heute nicht nachtragen, wir waren Kinder und wir wussten es nicht besser.

Sicherlich könnte ich aus heutiger Sicht meinen Eltern hauptsächlich die Schuld daran geben, dass sie es nicht unterbunden haben, dass meine Geschwister mich ständig angefeindet haben, aber kann man das überhaupt??

Haben sie es bewusst so erlebt?

Waren sie nicht selber viel zu viel mit sich selber beschäftigt und waren sie nicht viel mehr mit ihren Gedanken dabei, immer wieder von Monat zu Monat, zu versuchen ihre Familie „durchzubringen“?

Ich weiß, dass Geld bei uns nie eine übergeordnete Rolle gespielt hat, weil eben auch nie etwas da war, aber ist das nicht auch für Eltern schwer und sind sie dann überhaupt in der Lage ihre Kinder zwar zu erziehen, aber vielleicht über das ein oder andere hinwegzublicken ohne dass es ihnen bewusst ist?

Sicher bin ich kein emotional vernachlässigtes Kind, aber ich bin ein Kind welches die ganze Wut ihrer Geschwister erleiden und lange erdulden musste, weil es eben anders war.

Alle Aufmerksamkeit galt mir!

Ich war eine gute Schülerin, meine Geschwister haben sich so dadurch gewurschtelt.
Ich war viele Jahre im Kirchenchor und habe schon mit 6 Jahren alleine Konzerte gegeben oder Weihnachten „oben von der Orgel“ das Ave Maria gesungen.
Ich bin mit kaum 9 Jahren alleine nach England gefahren und war dort, ohne das ich auch nur ein Wort Englisch sprach, alleine in einer Familie.

Aber ich wollte das auch alles.

Ich war ja so erzogen worden, dass ich etwas „besonderes“ bin also dann musste natürlich auch mein Leben etwas besonderes werden.

Erst heute weiß ich das meine Geschwister sehr darunter gelitten haben sich immer mit mir vergleichen lassen zu müssen.

So richtig bewusst war es mir eigentlich nie, dass ich eine andere Behandlung genoss wie meine Geschwister und es erklärt sich vielleicht auch daraus nicht auf den ersten Blick wieso diese Kindheit bei mir, mit der Ursprung für meine Borderline Erkrankung ist, aber es hat natürlich in sofern starke Spuren hinterlassen, als dass ich heute nicht in der Lage bin „Schwächen“ bei anderen Menschen zu akzeptieren und mein Anspruchsdenken an mich selber immer wieder dazu beiträgt, dass ich an Grenzen stoße.

Besonders den Anspruch, den ich an meinen Partner stelle, ist schier nicht erfüllbar und stellt mich und mein Gegenüber oft vor unlösbare Aufgaben.

Mit mir zusammen zu leben bedeutet auf einem Vulkan zu sitzen, der jederzeit ausbrechen kann und sich mit seiner ganzen heißen Lava über den ergießt, den ich eigentlich am meisten liebe!