Start Reha-Tagebuch 26.12.2008 schon vier Wochen vorbei
26.12.2008 schon vier Wochen vorbei

Schon lange habe ich nichts mehr geschrieben und schon lange haben meine Freunde zu Hause nichts von mir gehört. Woran das liegt?? Na, ja ich würde sagen an dem Alltag im Leben einer therapeutischen Gemeinschaft und natürlich an einer wirklich sehr anstrengenden Therapie.

Nachdem ich die ersten zwei Wochen hinter mir gebracht habe war ich endlich in der Lage ohne einen sogenannten „Engel" das Gelände der Klinik zu verlassen und mein Autonomiebedürfnis ohne Rücksprache zu decken. Von da an war ich eben in der Lage, alleine die Gegend zu erkunden oder mit meinem Auto weiter gelegene Orte zu erkunden. Das erste „freie Wochenende" stand dann auch ganz im Zeichen von „bloß weg" und das Wetter passte sich diesem Motto an und schenkte mir und meiner Begleitung einen der schönsten Sonnentage die ich seit langer Zeit genoss. Wir fuhren in die Berge und erklommen den Gipfel des Nebelhornes mit der Seilbahn.

Ein schier unglaublicher Anblick – über 400 Gipfel der umliegenden Alpen lagen uns zu Füßen und wir standen bis zu den Knöcheln in Pulverschnee.

Völlig geflasht von diesem Anblick spürte ich etwas in mir was ich noch nie gespürt habe und es auch erst gar nicht so richtig zu deuten wusste. Ich hatte eine Gänsehaut und ein kribbeln im ganzen Körper ich fühlte mich extrem wohl und andere Menschen würden diesen Moment wohl als Glück bezeichnen, für mich ein nur schwer nachzuvollziehendes Gefühl ……………aber es fühlte sich auf jeden Fall gut an.

Dieser Moment gab mir auf jeden Fall den totalen Aufschwung innerhalb der Therapie und ich konnte mich von diesem Tag an immer besser auf das Setting der Klinik einlassen.

Therapeutische Gemeinschaft – sicher ein Begriff der vielen nicht geläufig oder auch fremd erscheint, so ging es mir selber ja auch. Nun muss ich aber so langsam doch zugeben, dass diese Form der Therapie ein Ziel verfolgt, welches auf so einer Art von „Hilfe zur Selbsthilfe" basiert oder auch auf der Tatsache beruht, dass Menschen sich gegenseitig helfen können indem man Verhaltensweisen von anderen Menschen mit sich selber spiegelt und dann erkennt, wie man selber nach außen wirkt. Total irritiert und auch ein stückweit beschämt über diverse Verhaltensweisen von anderen innerhalb meiner Gemeinschaft begann ich dann selber festzustellen, dass manche Dinge die ich so mache, so sehr destruktiv sind und mich nicht ein Stück weiter bringen auf dem Weg zu mir selber.

Sogar innerhalb meiner Gruppe habe ich von meinem Trauma erzählt und einen ziemlich „schwachen" Auftritt hingelegt. Alleine das war für mich als Mensch der Schwäche eigentlich mehr als hasst, ein wichtiger Meilenstein um auch von den anderen in meiner Gruppe mit meinen Therapiezielen ernst genommen zu werden. Wenn man immer versucht die Harte raushängen zu lassen so wird man sicher auf die Dauer unglaubwürdig mit der Aussage die Therapie soll einem helfen.

Jetzt nach vier Wochen Aufenthalt in der Klinik und nach mittlerweile einigen geschlossenen „Bekanntschaften" mit Mitpatienten habe ich mich völlig in meine Gruppe integriert auch wenn sie immer mal wieder anmerken, dass ich meine Fassade noch zu selten öffne und zu wenig von mir preis gebe. Konflikte werden immer direkt mit den betreffenden Personen ausgetragen, man hat dafür 24 Stunden Zeit.

Manchmal frage ich mich zwar immer noch wie Menschen dazu in der Lage sind in die vier Himmelsrichtungen zu meditieren oder einen Baum umarmen, aber ich möchte das gar nicht mehr ergründen sondern diesen Menschen ihre eigene Sicht der Dinge lassen. Für mich zählt der therapeutische Gedanke und der wird mir helfen wichtige Erkenntnisse aus der Zeit zu ziehen um meinem Ziel näher zu kommen.

In Beziehung mit mir selber zu stehen um dann auch mit anderen Menschen in Beziehung gehen zu können.